Hinter der Hecke - Die Legende

Der Wind strich durch die Hecken am Rand unseres Dorfes *, wo ihr kleines Haus stand – aus Holz, Lehm und dem Duft getrockneter Kräuter. Bündel von Beifuß, Salbei und Johanniskraut hingen unter den Dachbalken, und wenn man eintrat, roch es nach Erde, Rauch und bitterer Heilung.

Man rief sie, wenn das Fieber kam.
Wenn ein Kind in der Nacht nach Luft rang.
Wenn eine Frau bei der Geburt schrie und der Priester nur noch beten konnte.

Dann klopfte es hastig an ihre Tür.

Sie kannte die Pflanzen des Waldes, wusste, welche Wurzel Schmerzen linderte und welches Blatt Wunden schloss. Ihr Wissen hatte sie von ihrer Mutter, und diese wiederum von ihrer. Kein Buch bewahrte es – nur Erinnerung und Erfahrung.

Die Menschen im Dorf brauchten sie. Und doch fürchteten sie sie. Die Heilerin, die Frau aus der Hecke, und wie manche flüsterten: die Hexe.

Teil 1:   Hinter der Hecke

Eine Sage von Holunder, Heilpflanzen und dem verborgenen Feuer

Teil 2:   Die Rückkehr

Vom Holunder, den alten Pfaden und der Wahl des Herzens

Teil 3:   Die Gabe

Der Mut, die Entscheidung und die kommende Zeit

 

  • * Der Ort wurde im Jahr 924 erstmals unter dem Namen Urtihun urkundlich erwähnt.
  • Namensherkunft: Der Name ist ein alemannischer Siedlungsname, der auf den Flussnamen der Urdikā, der heutigen Uerke zurückgeht, was soviel beduetet wie „sprudeln“ oder „wallen“.